BUNDjugend  

Rückblick auf den JAK 2013 in Tübingen

Nach dem JAK ist vor dem JAK?

Am Sonntag Abend, den 3.11.2013 ging nach einem sechstägigen Programm der 21. Jugendaktionskongress seinem Ende entgegen. Wer sich nicht nach Tübingen aufgemacht hatte, war wohl zu unmobil für den diesjährigen JAK – denn gerade die „Mobilität“ war das Thema, um das sich alles drehte. Dass dieser Begriff durchaus weit gefasst war, zeigt das reichhaltige Angebot mehrerer paralleler Workshops über drei Tage hinweg. So ging es nicht nur um Bus und Bahn, sondern auch um Konzepte zu Fahradbussen und Sicherheit auf der „Datenautobahn Internet“, um mobiles Wohnen und wohnungslose Klimaflüchtlinge, um die Erkundung entlegener Orte beim Geocaching oder die Bewegung an Ort und Stelle beim kreativen Tanz, um nur einige Beispiele zu nennen. Auch das Küchenteam nahm sich des Themas an und schickte die Teilnehmer auf eine kulinarisch-kreative Weltreise mit möglichst authentischen Gerichten von allen Kontinenten (nur frisches Antarktis-Eis war leider ausgegangen). Die Gerichte waren stets vegan aus regionalen Bio-Zutaten.

Nach einem gemeinsamen Kennenlernen am Dienstag konnten sich die Teilnehmer*innen schon am Mittwoch in die Workshops stürzen – und sich am Abend mit dem Minister für Verkehr und Infrastruktur des Landes, Winfried Hermann, auf die Rennstrecke einer heißen Debatte begeben. Dass hier auch viele Jugendliche mit dem erfahrenen Politiker argumentativ und rhetorisch Schritt halten konnten und mit ihren politischen Forderungen zum Überholmanöver ansetzten, hat uns natürlich nicht überrascht. Es ging um Ausbau und Vergünstigung des Nahverkehrs, verstärkte Unterstützung des Fahrradverkehrs, stärkere Regulierung und Besteuerung von Flugverkehr und Subventionierung von Carsharing und Mitfahrgelegenheiten… Verkehrspolitisch gibt es einiges zu tun in diesem Land – nach Aussage des Ministers hat nur leider niemand das Geld dafür.

Das war für viele zunächst eine frustrierende Erkenntnis. Aber sie hat keineswegs die Stimmung auf dem JAK getrübt, denn es standen schließlich noch viele tolle Tage mit einem vielseitigen, informativen und unterhaltsamen Programm bevor. Für die Unterhaltung sorgte vor allem das Abendprogramm mit den Liedermacher*innen Isi Reichert, Sascha Santorineos, Laurin Freiberg und Vera (Donnerstag), der Open Stage mit Liedern, Texten und Kunststücken vieler JAK-Teilnehmer*innen unter der unvergleichlich dynamischen Moderation von Dave Tjiok (Freitag) und das akustisch monumentale Konzert der etwas härteren Gangart von „Campaign Like Clockwork“ und „Circus of Fools“ (Samstag).

Letzteres war für viele der Ausklang eines besonders anstrengenden Tages, da am Samstag tagsüber eine auf dem JAK vorbereitete Aktion gegen die Abschiebung von Flüchtlingen stattfinden. Auf dem Tübinger Marktplatz wurde in einer Straßentheaterperformance über mehrere Stunden hinweg wiederholt das Flüchtlingsdrama vor Lampedusa vom 3.10.2013 nachgespielt mit der Forderung durchlässigerer europäischer Grenzen und deutlich vereinfachter Einreisemöglichkeiten für Flüchtlinge. Zwischen den Vorführungen wurden viele Lieder gesungen für eine bessere Welt, die die Stimmung auf dem Platz fühlbar wärmer machten, während die (ebenfalls in einem JAK-Workshop gebastelten) Schilder und Transparente der Demonstranten ein stummes Mahnmal für die Ertrunkenen bildeten: Sie stehen exemplarisch für all jene, die auf der Suche nach einer besseren Zukunft auf der Strecke blieben.

 

Das einzige, was für viele JAK-Teilnehmer auf der Strecke geblieben sein mag, war angesichts des üppigen Programms wohl der Schlaf. Mittlerweile dürfte jedoch jede*r Zeit gehabt haben, sich zu erholen und hoffentlich mehr vom JAK behalten haben, als ein weiteres Bändchen am Handgelenk. Und falls nicht: Nach dem JAK ist vor dem JAK!

Text: Andreas Pfrengle, Fotos: Hauke Isermann, Lisa Hamm